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Juckreiz beim Hund

Der Juckreiz - medizinisch Pruritus - ist regelmäßig keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom für Erkrankungen vielfältiger Art. Auch Parasiten können den Juckreiz auslösen. Für das Tier ist Pruritus besonders belastend und stört sein Allgemeinempfinden erheblich. Die Reaktionen des Hundes auf das für ihn unerträgliche Jucken in Form von Beißen, Knabbern, Kratzen und Scharren führt häufig zu Folgeerscheinungen wie nässenden Wunden und Eigenverletzungen des Tieres. Tatsächlich zählt Juckreiz zu den Beschwerden, die am häufigsten einen Besuch beim Tierarzt begründen. Pruritus bei Hunden ist weit verbreitet.

Was ist ein Pruritus - Juckreiz?

Juckreiz ist eine Missempfindung auf der Haut, die durch bestimmte Botenstoffe des tierischen Organismus ausgelöst werden. Ganz instinktiv weckt das Symptom bei vielen Lebensformen das Bedürfnis nach Kratzen und Scheuern, um den Reiz zu unterbrechen oder durch eine andere Empfindung zu überdecken. Der Hund kann daher kaum von seinen Kratzbemühungen abgehalten werden, da der gesamte Ablauf des Kratzens kaum einer willentlichen Unterbrechung zugänglich ist. Juckreiz kann je nach Auslöser begrenzte Körperbereiche befallen oder den gesamten Körper des Hundes. Juckreiz wirkt sehr stark auf die Psyche des betroffenen Tieres ein. Der Hund kann im wahrsten Sinne des Wortes fast "verrückt" werden, wenn starker Juckreiz auftritt. Er reagiert mit heftiger Eigenverletzung und nachhaltigen psychischen Veränderungen auch im Verhalten.

Ursachen des Juckreizes beim Hund

Juckreiz beim Hund kann viele Ursachen haben.

1. Äußere (exogene) Faktoren

Parasitenbefall zum Beispiel durch Flöhe kann starken Juckreiz an Bissstellen auslösen. Ähnliches gilt bei anderen Parasiten wie Milben - etwa in den Ohren - oder Insektenstichen. Äußere Allergene, auf die das Tier individuell reagiert, sind oft für Juckreiz verantwortlich. So reagieren manche Hunde allergisch auf Hausstaubmilben und Flohspeichel. Besonders bei vernachlässigten Tieren kommt ein Bakterienbefall der Haut in Betracht, der starken Juckreiz verursachen kann. Auch Pilzbefall, zum Beispiel Malassezia-Infektionen mit dem Hefepilz Malassezia pachydermatis, gibt oft den Ausschlag für einen Pruritus. Fremdkörper in den Ohren oder in der Haut (Grannen) jucken ebenfalls.

2. Innere (endogene) Faktoren

Hier kommen Nahrungsmittel- oder Arzneimittelunverträglichkeiten in Betracht.
Meist gehen diese mit Verdauungsbeschwerden einher.
Jucken in der Analgegend mit dem typischen "Schlittenfahren" deutet auf Störungen im Bereich der Analdrüsen hin.
Psychische Störungen können Juckreiz verursachen. Hunde, die zu lange und zu oft allein sind, Angst haben oder misshandelt werden, können mit einem psychisch bedingten Juckreiz reagieren. Hunde beginnen solche psychischen Zwangshandlungen mit ausgeprägtem Lecken, aus dem Juckreiz resultiert, wenn die Haut vom Lecken wund und geschädigt ist. Ein Kreislauf aus Lecken und Jucken beginnt, der die Haut und Psyche des Tieres massiv schädigen kann.
Der Befall mit Leishmaniose -Erregern kann zu geschwürigen Hauterscheinungen führen, die jucken. Verschiedene Formen der Räude, die bei uns weitestgehend durch Impfung zurückgedrängt worden sind, können mit Juckreiz einhergehen. Man denke daran, wenn man Hunde aus dem Ausland mitbringt.

Folgen von Pruritus beim Hund

Wie beschrieben sind Hunde von Kratz- und Beißverhalten kaum abzubringen.
Die Folge sind Riss- und Bissverletzungen auf der Haut. Hunde reißen sich das Fell an den betroffenen Stellen ab, es entstehen entzündliche Wunden und Ekzeme, je nach der Erreichbarkeit betroffener Körperstellen. Ohren werden blutig gekratzt.
Das ständige Belecken von juckenden Hautstellen führt zu Veränderungen an der Haut und geschwürigen Erscheinungen.

Diagnose

Die Ursache für Juckreiz ist oft nicht leicht zu finden. Es muss sehr genau beobachtet werden, welche zusätzlichen Symptome auftreten. Das erfordert unter Umständen Geduld.

Behandlung von Juckreiz beim Hund

Pruritus kann selbst nur eingeschränkt behandelt werden, wenn die Ursache nicht gefunden wurde. Äußerliche Behandlungen mit Cortison Salben und entsprechende Spritzen können eine Linderung bringen. Oftmals kann man den Hund bei großflächigen Pruritus durch das Überziehen von Kleidungsstücken an den Kratzstellen zu einer Unterbrechung zwanghaften Kratzens zwingen. Ebenso können kurzzeitig Kopftrichter eingesetzt werden, wie man sie nach Operationen kennt.
Auch spezielle Bäder mit auf den Juckreiz abgestimmten Shampoos können kurzfristig den Juckreiz unterbrechen. Es muss dann nach der Ursache geforscht werden. Bei Allergien kommen eine Desensibilisierung sowie der Ausschluss des Allergens aus der Tierumgebung in Betracht. Gegen Parasiten wie Flöhe muss konsequent auch in der Tierumgebung mit bioziden Wirkstoffen vorgegangen werden. Im schlimmsten Fall muss der Kammerjäger her, da 95% aller Flöhe nebst ihren Eiern das Tierumfeld bevölkern und alle 6 Wochen eine neue Generation Flöhe schlüpft. Flohbisse sind keine Bagatelle, da viele Hunde zusätzlich allergisch auf den Speichel der Lästlinge reagieren, was den Juckreiz noch weiter verstärkt. Außerdem übertragen Flöhe Krankheiten und Würmer.

Naturheilkundlich hat sich Calendula-Salbe zur äußerlichen Behandlung von Juckreiz bewährt. Homöopathische Komplexmittel wie Apropernol N und Engystol zeigen ebenfalls gute Erfolge. Besonders bei psychischen Ursachen für Juckreiz und Kratzverhalten sollte unbedingt an eine homöopathische Konstitutionsbehandlung gedacht werden.

Vorbeugung

Eine Vorbeugung gegen den Juckreiz als solchen ist nicht möglich, aber verschiedenen Ursachen für Pruritus kann vorgebeugt werden.
Parasitenbefall wie Flohbefall kann durch regelmäßigen Einsatz von Spot-On Produkten auf dem Tier und durch entsprechende Maßnahmen in der Tierumgebung wirksam unterbunden werden. Auch Ohrmilbenbefall lässt sich so vorbeugen. Die Analdrüse sollte regelmäßig vom Tierarzt entleert werden. Eine artgerechte, umsichtige und liebevolle Haltung beugt Verhaltensstörungen vor.
Eine angemessene allgemeine Hygiene und Pflege rund um den Hund beugt bakteriellen und anderen Infektionen der Haut vor. Achtsame Hundehalter bemerken Reaktionen und Veränderungen im Zusammenhang mit neuen Futtersorten oder Örtlichkeiten, sie kommen so auch Allergien schneller auf die Spur. Rohfütterung geht mit einem geringeren Risiko für Unverträglichkeiten einher als industriell hergestelltes Fertigfutter.

Bei anhaltendem Juckreiz zum Tierarzt

Wer bei seinem Tier anhaltenden Juckreiz feststellt, sollte nicht lange zuwarten und den Tierarzt aufsuchen. Je schneller die Ursache gefunden wird, desto schneller kann sie behandelt werden und desto geringer die Folgen des Kratzens. Juckreiz verselbstständigt sich nach einer gewissen Zeit in der Psyche des Hundes zu einer Manie, die dann einen eigenen Krankheitswert bekommt. Das sollte unbedingt vermieden werden.

Quellen

Autorenbox Thomas

Über Thomas

Etwa 8 Mio. Hunde leben in deutschen Haushalten - gesorgt wird sich um die Vierbeiner wie um das eigene Kind. Mit dieser Seite möchte ich euch gern leicht verständliche Informationen rund um die Hundegesundheit zur Verfügung stellen. Zur Seite steht mir eine Tierheilpraktikerin, die das ganze fachlich abrundet.