Die Ernährung des Hundes - (k)eine Ansichtssache

Noch nie gab es so viele verschiedene Angebote an Futtermitteln für Hunde. Hundehalter stehen häufig ratlos im Tierladen vor langen Regalen mit diversen Sorten an Fertigfuttermitteln in Form von Trocken- und Feuchtfutter sowie einer ganzen Reihe von Ergänzungsfuttermitteln.

Andere Quellen werben für die Rohfütterung mit rohem Fleisch in verschiedenen Sorten (außer Schwein), Gemüse, Frischkornbrei und Ölen. Mancher Hundehalter ernährt seinen Hund mit selbstgekochtem Rinderherz und anderen Spezialitäten sowie zusätzlich oder ausschließlich mit entsprechenden Resten vom menschlichen Teller. Etliche andere kaufen das relativ preiswerte Fertigfutter, das der Discounter preiswert anbietet beim üblichen Wocheneinkauf schnell einmal mit und machen sich keine Gedanken über Hundefutter. Ganz progressiv gestimmte Zeitgenossen ernähren ihren Hund heute weitestgehend vegan.

Die Befürworter und Gegner der jeweiligen Fütterungsrichtung scheinen alle gute Argumente für ihre Fütterungswahl zu haben, die in entsprechenden Ratgeber-Sachbüchern und Zeitschriftenartikeln ausführlich beschrieben werden. Auch einige Tierärzte mischen sich in diese Diskussion ein und verkaufen teilweise selbst Fertigfuttermittel. Es ist eine veritable Futtermittelindustrie ähnlich der Lebensmittelindustrie enstanden, die begeisterte Anhänger und auch erbitterte Kritiker hat.

Für Anfänger in der Hundehaltung und alle jene, die wirklich alles richtigmachen möchten beim Füttern, ist die Vielfalt der Meinungen und Möglichkeiten sehr verwirrend. Hundefütterung verläuft zwischen althergbrachter Erfahrung, modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen und ideologischen Gräben: Wie wird der Hund richtig ernährt?

Die biologischen Gegebenheiten - ein wölfisches Erbe

Die übliche Aussage zum Vorfahren ist die folgende: Der Hund stammt vom Wolf ab. Tatsächlich belegt die Analyse der DNA des Haushundes (Canis lupus familiaris) eine Abstammung vom Wolf.
Der Haushund trägt mit der Beifügung lupus den Wolf selbst in seinem lateinischem Namen. Er gehört biologisch zu den Carnivoren, den Raubtieren und dabei zur Art Wolf sowie der Gattung Wolf- und Schakalartige. Das Gebiss des Hundes ist demgemäß ein Raubtiergebiss mit 42 Zähnen sowie mit den 4 charakteristischen Haken-Eck-Zähnen, die man auch als Reißzähne bezeichnen kann. Sein Magen ist an elastischen Bändern aufgehängt, was eine schlingende Nahrungsaufnahme ermöglicht, gleichzeitig aber in der Nähe des Menschen auch eine der größten "Achillesfersen" des Hundes darstellt: Der Schatten der oftmals tödlich verlaufenden Magendrehung hängt über dem Haushund, dem großen wie auch dem kleinem. Es mag auch an der Ernährung des Hundes in menschlicher Gesellschaft liegen, dass das Ereignis Magendrehung zu einer Bedrohung der Hunde geworden ist. Diese These ist wissenschaftlich nicht untersucht worden. Aber man hört nicht, dass Wölfe oder Dingos (wildlebende Hunde in Australien) ebenfalls mit diesem Phänomen zu tun haben. Dabei werden sie beim Fressen noch ärger schlingen als unser Haushund, wenn Beute in freier Wildbahn erlegt wird und der Kampf um die Aufteilung des Futters beginnt.

Der Hunde-Magen entspricht auch insofern der Rautierabstammung des Hundes, als er sich in seiner singulären Form von den typischen Mägen (Mehrzahl) der Wiederkäuer unterscheidet, die für eine Vergärung von Pflanzennahrung vorgesehen sind. Nichts am Hund deutet darauf hin, dass seine bevorzugte Nahrungsquelle überwiegend pflanzlich geprägt sein sollte. Alles scheint sich in Richtung Fleisch - also Protein - zu bewegen.

Was den Geschmackssinn der Hunde angeht, so schmecken sie Süßes, Saures und Salziges. Ihre gesamte Zunge ist mit Geschmacksrezeptoren ausgestattet, die Fleisch erkennen. Rein von diesen biologischen Gegebenheiten ausgehend weist ebenfalls alles darauf hin, das Fleisch die Grundnahrung des Hundes sein müsste - ganz seinem wölfischen Erbe entsprechend. Grünes nehmen Wölfe lediglich über den Mageninhalt der Beutetiere und durch beiläufige Aufnahme von Gräsern auf, wobei letzteres eher wie beim Hund dem Erbrechen von Unverdaulichem dienen wird. Dabei ist es heute unter Wolfsexperten sogar umstritten, ob die Wölfe überhaupt den Mageninhalt ihrer Beutetiere verzehren. Im Internet wird dazu eine sehr engagierte Blog-Diskussion geführt.

Wer sich einmal auf die für Menschen etwas abstoßenden Konsistenz sowie auf den herausfordernden Geruch einlassen kann, stellt in fast allen Fällen fest, dass kaum ein Hund dem Pansen, also einem der Mägen von Wiederkäuern samt anverdautem Inhalt widerstehen kann. Besonders der sogenannte grüne Pansen steht bei unseren vierbeinigen Begleitern hoch im Kurs, ebenso wie einige Tage vergrabenes Fleisch, das zu Aas geworden ist. Einen solchen ursprünglichen "Leckerbissen" lieben selbst Hunde, die sich in anderen Bereichen stark dem Menschen angepasst haben und vielleicht sogar mit ihm in einem Bett schlafen.

Anpassung ist dabei ein Stichwort, das im Kontext mit dem Themenkomplex Hund- und Hundefütterung eine große Bedeutung hat. Seit 10.000, vielleicht auch schon 150.000 Jahren begleiten die hundeartigen Säugetiere den Menschen. Der Haushund entstand dabei wahrscheinlich in Ostasien. Der Mensch hat dabei nicht nur auf die äußere Gestalt der Hunde vielfach Einfluss genommen, sondern auch auf deren Ernährungsgewohnten. Hunde passen sich gut an, und so haben sie auch die verschiedenne Entwicklungsstufen des Menschen begleitet. Von Jägern und Sammlern hin zum Ackerbauer waren Hunde immer dabei. Deshalb macht man es sich mit dem einfachen Hinweis auf eine Ernährung, die reich an rohem Fleisch sein sollte, vielleicht zu einfach. Die ersten Wölfe, die sich dem Menschen angeschlossen haben, dürften insbesondere auch die ständige Verfügbarkeit von Futter zu schätzen gewusst haben, während der Mensch von den jadglichen und wachenden Eigenschaften des Hundes angetan war. Die Ernährung des Menschen wurde über die verschiedenen Entwicklungsstufen ebenfalls vielfältiger, und Hunde passten sich an. Es lohnt sich, etwas näher zu untersuchen, was Hunde tatsächlich brauchen, was ihnen schmeckt und ob es heute möglicherweise Hunde mit besonderen Ernährungsbedürfnissen gibt. Ähnlich wie der Mensch scheint auch der Hund mit verschiedenartigen Ernährungskonzepten zu überleben. Wobei sich die Frage stellt, ob das Überleben allein tatsächlich in Fütterungsfragen ausschlaggebend ist.

Schließlich existiert kaum eine Tierart, die in so vielfältiger Größe und unterschiedlicher Gestalt auftritt wie der Hund. Es ist auf den ersten Blick schon erstaunlich, dass eine Deutsche Dogge und ein Chihuahua tatsächlich beide zur Gattung Hund gehören.
Kann man daher tatsächlich die e i n e ideale Hundeernährung benennen, wenn ein Hund 2,5 Kilogramm wiegt und der andere 80 Kilogramm?

Der wissenschaftliche Hintergrund - welche Makro- und Mikronährstoffe benötigen Hunde?

Hunde benötigen Wasser, Proteine, Kohlenhydrate, Fette, Vitamine und Mineralstoffe. Dabei gelten Proteine, Kohlenhydrate und Fette als die energietragenden Nährstoffe. Ähnlich wie beim Menschen in der Ernährungswissenschaft wird in der Futtermittelwissenschaft und - industrie der Energiebedarf des einzelnen Hundes über einen Grundumsatz, Erhaltungs- und Leistungsbedarf berechnet. Der Grundumsatz entspricht dem, was das Tier in Ruhe benötigt.

Es versteht sich im Hinblick auf die oben beschriebene Größen- und Gewichtsvielfalt von Hunden, dass der Energiebedarf bei den Vierbeinern erheblich variiert. Das entspricht auch der täglichen Erfahrung von Hundehaltern mit verschieden großen Hunden. Kommt der eine Hund mit knapp zwei Teelöffeln pro Portion und Futterration aus, berechnet sich die Portion sehr großer Hunde je nach Fütterungsart teilweise in Kilogramm.

Neben der Größe des Tieres spielen beim Energiebedarf auch andere Umstände eine Rolle. So nehmen folgende Faktoren ebenfalls auf den Bedarf an Energie Einfluss:

  • Alter
  • Geschlecht
  • Trächtigkeit und Säugen
  • Erkrankungen
  • Zusammensetzung der Darmflora
  • Hormonhaushalt
  • Stoffwechselfunktion.

Futtermittelhersteller benutzen zur Berechnung von Portionsgrößen heute Softwareprogramme. Das ist der Komplexität der Materie geschuldet, weil die verschiedenen Futterarten einen sehr unterschiedlich konzentrierten energetischen Wirkungsgrad aufweisen. Trockenfutter beispielsweise ist ein energetisch sehr konzentriertes Futter. Außerdem setzen die Futtermittelhersteller ihre Futter bausteinartig zusammen, und die Rohstoffe sind im Regelfall nicht mehr naturbelassen, sondern häufig extraktgemäß isoliert und in eine Zusammensetzung gebracht, die in der Natur so nicht vorkommt. Ballaststoffe etwa werden isoliert dem Futter zugesetzt, während sie in der Rohfütterung durch einen Gemüseanteil in einer natürlichen Komposition verfüttert werden.

Es besteht keine Einigkeit darüber, welchen Anteil der einzelnen Nährstoffe Hunde prozentual benötigen. Das soll am Beispiel Protein veranschaulicht werden.

Während Ernährungswissenschaftler, die der Futtermittelindustrie nahestehen, maximal etwa 10 % an Protein (Protein) als angemessen für eine artgerechte Hunderernährung halten, sehen andere Experten aus dem Bereich der Rohfütterung bis zu 80 % Fleischanteil als passend an.

Dementsprechend enthalten viele Fertigfutter extreme hohe Anteile an Getreide wie Weizen, beziehungsweise an anderen Kohlenhydratquellen wie Reis, Rüben und Kartoffeln.

Entsprechend groß ist auch die Zusammensetzung der Fütterungsarten, diese ist ebenso so variabel wie unübersichtlich. Da wird Feuchtfutter mit 4 % Fleischanteil angeboten und anderes mit bis zu 90 %. Beim Trockenfutter sieht es nicht anders aus. Es sind heute auch Trockenfutter mit Fleischanteilen bis zu 90 % auf dem Markt, wobei es dann auch noch auf die Fleischquellen ankommt, um eine Vergleichbarkeit der Futtermittel herzustellen. Es wird an dieser Stelle nicht die Tatsache unterschlagen, dass hochwertiges Protein ein vergleichsweise teurer Rohstoff ist. Ein Futtermittelhersteller kann diesen Aspekt nicht unberücksichtigt lassen, wenn er ökonomisch tragfähige Futtermittel vermarkten möchte. Das ist nicht anders als in der Lebensmittelindustrie. Die Schlussfolgerungen, die jeder einzelne Hundehalter im Hinblick auf diesen Wirtschaftlichkeitsaspekt in Bezug auf die Qualität von Rohstoffen in der Futtermittelindustrie zieht, sollten jedem Hundehalter selbst überlassen bleiben.

Das Magazin Spiegel titelte 2010 in diesem Zusammenhang "Maskierter Müll" und meinte damit Fertigfuttermittel.

Dabei sind Fertigfutter sowohl preislich als auch qualitativ sehr unterschiedlich. Verschiedene Anbieter halten inzwischen auch die Fertigfutter vielfach getreidefrei und reich an Proteinen. Das ist aber immer noch eher die Ausnahme. Die typischen Discounter-Waren enthalten überwiegend Getreide und vernachlässigbare Anteile an fleischlichen Zutaten unklarer Herkunft und Zusammenstellung. Man kann dabei von der Verarbeitung häufig minderwertiger Schlachtabfälle ausgehen, da sich sonst entsprechende günstige Endkundenpreise nicht halten lassen würden. Hochwertige Fertigfutter haben ihren Preis, wobei der Preis allein kein "Qualitätssiegel" ist. Geschicktes Marketing steht über allem. Das macht es auch so schwer, objektive Informationen zu Futtermitteln und Ernährungsfragen beim Hund, zu gewinnen.

Das Thema "Feuchtigkeit" = Wasser spielt ebenfalls eine große Rolle. Wasser ist für Hunde ähnlich wie beim Menschen ein bedeutendes Element der Ernährung. Wasser transportiert die anderen Nährstoffe und sorgt auf der anderen Seite für den Abtransport der Ausscheidungsstoffe. Die Zellen benötigen die Flüssigkeit ebenfalls. Feuchtfutter und Rohfütterung bringen einen erheblichen Anteil an Wasser bereits mit. Bei Fütterung von Trockenfutter muss der Wasserbedarf allein durch gesonderte Aufnahme gesättigt werden. Das gelingt nicht immer, denn Hunde zeigen ein sehr unterschiedliches Verhalten bei der Aufnahme von Wasser.


Was die Vitaminversorgung angeht, sprechen wir von Vitamin A, Vitamin D, Vitamin E, den Vitamine der B-Familie mit Folsäure und B12 sowie Vitamin C. Dabei können Hunde im Gegensatz zu Menschen Vitamin C selbst in der Leber bilden. Dieses Vitamin muss also nicht unbedingt mit der Fütterung zugeführt. Neben den Vitaminen gibt es einige vitaminähnliche Substanzen, die die Ernährung des Hundes ebenfalls prägen. Dazu zählen Carnitin, Carotinoide und Bioflavonoide. Während Carnitin im Fleisch enthalten sind, sind Carotinoide und Bioflavonoide sekundäre Pflanzenstoffe. Letztere sind Schutzstoffe der Pflanzen, die aber auch in tierischen und menschlichen Organismen positive Wirkungen zu erzeugen vermögen.

Die Mineralstoffe und Spurenelemente, die Hunde benötigen, sind Calcium, Calcium und Phosphor-Verbindungen, Phosphor, Magnesium, Kalium, Natrium und Chlorid, Eisen, Kupfer, Mangan, Zink, Jod und Selen.

Das Calcium-Phosphor-Verhältnis hat dabei eine entscheidende Bedeutung für die Stabilität der Knochen. Empfohlen wird 1,3:1 bis zu 2:1, sogar 1:1 wird teilweise als Richtwert gesehen.

Fertigfuttermittel - Mögliche Vor- und Nachteile

Fertigfuttermittel bieten verschiedene Vorteile:

  • Sie sind einfach zu verfüttern.
  • Sie geben eine Aufstellung über Nährwerte, Inhaltsstoffe und Dosierungsempfehlungen.
  • Es gibt es sehr preiswerte Fertigfuttermittel.
  • Sie sind standardisiert immer verfügbar, machen keine Arbeit in der Zubereitung.
  • Sie sind für den Hundehalter geruchlich und sensorisch akzeptabel bis angenehm.
  • Zwingende Fütterungsvariablen wie das Calcium-Phopshor- Verhältnis werden eingehalten.

Fertigfuttermittel haben verschiedene Nachteile:

  • Sie sind industriell verarbeitet und nicht frisch.
  • Unter Umständen sind nicht gewollte Zusatzstoffe enthalten, wie etwa Lockstoffe.
  • Die Qualität der Rohstoffe und deren Herkunft ist meist nicht einschätzbar.
  • Manche Hunde mögen Fertigfutter nicht.
  • Was Vitamine und andere Mikronährstoffe angeht, hat man es überwiegend mit synthetischen Varianten zu tun.
  • Gerade Trockenfutter verleitet dazu, zu große Portionen zu verfüttern, die Gefahr für Übergewicht steigt.
  • Mit Trockenfutter wird häufig ungenügend Flüssigkeit zugeführt, wenn der Hund nicht gern säuft. Dergestalt ernährte Hunde sind permanent leicht bis schwer dehydriert mit den entsprechenden gesundheitlichen Folgen für die Nieren, die Nährstoffversorgung, die Verdauung und die Psyche des Hundes.

Trockenfutter

Trockenfutter erscheint vielen Hundehaltern als besonders praktisch. Man kann große Säcke auf Vorrat erwerben. Das Futter lässt sich sehr sauber verfüttern. Trockenfutter ist energiereiches Futter und vielfach besteht es überwiegend aus Getreide. Es quillt im Magen stark auf. Die Folgen dieses Effekts sind nicht ganz abzuschätzen. Ob die Gefahr einer Magendrehung damit steigt, insbesondere wenn der Hund Trockenfutter schlingt und nicht kaut, ist nicht geklärt. Eine solche Schlussfolgerung liegt aber auch nicht ganz fern. Hunde müssen sehr viel Wasser aufnehmen, um die fehlende Feuchtigkeit bei diesem Futter auszugleichen. Andernfalls können unter anderem die Nieren geschädigt werden.

Trockenfutter scheint auch Futtermittelallergien zu fördern und kann durch Futter-Milbenbefall unbemerkt kontaminiert werden, was wiederum zu allergischen Reaktionen bei empfindlichen Tieren führen kann.

Feuchtfutter

Feuchtfutter ist geruchlich unter Umständen etwas intensiver als Trockenfutter, kann zum Beispiel bei Hitze leicht im Napf verderben und erfordert einen anderen Lagerungsaufwand. Dosen- und Beutelverpackungen produzieren viel Verpackungsabfall, bieten aber eine perfekt abgestimmte Dosierung. Dafür enthält Feuchtfutter per se bis zu 80 % Wasser. Feuchtfutter ist häufig im Vergleich teurer als anderes Futter und besteht trotz seiner fleischlichen Anmutung häufig ebenfalls überwiegend aus Getreide.

BARFEN und Selbstkochen - Mögliche Vor- und Nachteile

Die Abkürzung Barf steht abwechselnd für Born-Again Raw Feeders =wiedergeborene Rohfütterer und Bones And Raw Foods. Dahintersteht ein umfassendes Ernährungskonzept, mit dem ein Hund durch rohes Fleisch und andere frische Zutaten ernährt wird. Siehe dazu auch http://www.bellos-gesundheit.de/was-ist-barfen.html.

Vorteile dieser Ernährungsform

  • Der Halter weiß, was er füttert, kann unter Umständen sogar die Herkunft der Rohstoffe verfolgen.
  • Es werden frische, "vollwertige" Zutaten verfüttert.
  • Viele Hunde lieben frisches Fleisch und Knochen.
  • Hunde müssen kauen, der Schlingeffekt tritt oftmals etwas in den Hintergrund, wenn stückiges Fleisch verfüttert wird.
  • Es kommt selten zu Übergewicht.
  • Es werden anekdotisch viele Fälle überliefert, in denen Hunde nach einer Futterumstellung auf Rohfütterung gesundheitlich extrem profitierten.

Nachteile der Rohfütterung

  • Der Hundehalter muss sich mit Hundeernährung auseinandersetzen und einen individuellen Ernährungsplan erstellen.
  • Rohstoffe müssen frisch und aufwendiger gelagert werden.
  • Fleisch muss zum Beispiel eingefroren werden. Barfen macht Arbeit: Auftauen, Gemüse/Obst pürieren, Getreide über Nacht einweichen, Futter anrichten.
  • Notwendige Zusätze wie hochwertige Öle sind relativ teuer.
  • Olfaktorisch und sensorisch ist Rohfütterung nicht immer angenehm (Pansen, Blut und anderes mehr).
  • Unterwegs mit dem Hund auf Reisen lässt sich Barfen kaum verwirklichen.
  • Barfen kann in bestimmten Lebenssituationen des Hundes, zum Beispiel bei trächtigen Hündinnen sehr komplex werden und verlangt dem Halter sehr gute Kenntnisse der ernährungsphysiologischen Grundlagen ab. So benötigen trächtige Hündinnen viel Glukose, da der Fötus rund die Hälfte seines Energiebedarfs aus Glukose zieht. Wer also während der letzten Wochen vor der Geburt dem Muttertier zu wenig Kohlenhydrate zuführt, riskiert Mangelerscheinungen bei den Welpen.
  • Die Futterumstellung auf Barfen kann etwas Zeit in Anspruch nehmen, einige Hunde reagieren zunächst mit Durchfall auf Rohfütterung. In seltenen Fällen wird Rohfütterung auch nach einziger Zeit der Gewöhnung nicht vertragen.

Kochen von Fleisch und Gemüse

Manche Hunde sprechen nicht auf die Rohfütterung an, lieben aber dafür gekochtes Fleisch. Auch hier muss ein Ernährungskonzept verwirklicht werden, da der Hund bei reiner Resteverfütterung oder willkürlicher Zusammenstellung unter Umständen einenMangel an bestimmten Nährstoffen erleidet. Der Aufwand für das Zubereiten des Futters und dessen Lagerung ist noch höher als beim Barfen. Kenntnisse in der Hundeernährung sind notwendig. Kochen kann Vitamine und andere Mikronährstoffe zerstören.

Futterzusätze und Futtergänzungen - sind sie notwendig?

Fertigfutter werden in der Regel immer mit Zusätzen versehen, etwa in Form von Vitaminen und anderen Mikronährstoffen, aber teilweise auch durch Geschmacksstoffen wie Zucker oder Konservierungsstoffe. Jedoch kommen auch Barfer nicht an Zusätzen vorbei. Dazu zählt bereits hochwertiges Öl als Fettzusatz. Manche Hunde haben ähnlich wie Katzen einen speziellen Bedarf an Taurin. Daneben sind verwirrend viele Futterergänzungen im Angebot, die die eine oder andere gesundheitlich relevante Funktion erfüllen sollen.

Naturheilkundlich orientierte Hundeexperten befürworten in vielen Fällen bestimmte Heilpflanzenzusätze und andere Ergänzungen
(Aufzählung nur Beispiele, nicht abschließend):

  • Teufelskralle kann bei Gelenkbeschwerden unterstützen.
  • Das gilt auch für Weihrauch (Bosweillia).
  • Pre- und Probiotika unterstützen die Darmflora des Hundes. (Prebiotika dienen "guten Darmbakterien" als Nahrung und sind unverdaulich (zum Beispiel Inulin), Probiotika sind lebende Darmkeime, die zugeführt werden
  • Omega-3- Fettsäuren wirken auf Haut- Und Haarkleid ein.
  • Medizinische Kohle wird bei Verzehr von schlechtem Futter oder Giftaufnahme zur Ausleitung empfohlen.

Fütterungstrends

Die Futtermittelindustrie kennt gewisse Trends, die teilweise dem Humanbereich angelehnt sind. So werden seit einiger Zeit vegetarische und vegane Hundefutter angeboten. Auch findet eine gewisse Individualisierung statt, in dem Fertigfutter nicht nur auf die Größe und das Alter der Hunde zugeschnitten werden, sondern auch auf die behaupteten Bedürfnisse einzelner Rassen. Was hier Marketing ist, und was wissenschaftlich begründet, ist kaum festzustellen. Es darf auch bezweifelt werden, dass eine rein vegetarische oder gar vegane Ernährungsform die Ernährungsbedürfnisse von Hunden wirklich befriedigt. Zumindest sind gewisse Mangelerscheinungen zum Beispiel bei Eisen, Vitamin B12 und anderen Mikronährstoffen fast zwingend anzunehmen. Wie beschrieben, sind Hunde schon anatomisch gesehen keine typischen Pflanzenfresser. Dazu kommt die Tatsache, dass auch vegane oder vegetarische Fertigfutter verarbeitete Futtermittel sind.

Ist jedes Futter für jeden Hund gleichermaßen gut geeignet?

Diese Frage kann eindeutig mit "Nein" beantwortet werden. Tatsächlich weisen Hunde individuelle Vorlieben, Veranlagungen und Unverträglichkeiten auf.

Bestimmte Umstände im Leben des Hundes sowie auch Erkrankungen verändern die Ansprüche des Tieres an seine Ernährung. Der Welpe hat etwas andere Ansprüche als der Senior. Dabei macht allerdings besonders die Futterindustrie diese Unterscheidungen, was teilweise auch dem Marketing geschuldet ist. Wer hier Fertigfutter kauft, sollte genau hinschauen, was das als "Seniorenfutter" oder "Welpenfutter" deklarierte Futter tatsächlich enthält.

Für den Senior darf es weniger sein

Regelmäßig etwa sollte Seniorenfutter energieärmer sein, um dem abnehmenden Bewegungsdrang des "Seniors" gerecht zu werden.
Die großen und sehr großen Hunde sind früher "ein Senior" als die kleineren Hunderassen. Deutsche Doggen haben oftmals insgesamt nur eine Lebenserwartung von 6 Jahren, können also mit 4 Jahren bereits ein alter Hund sein, wenn kleinere Hunde gerade dem jugendlichen Alter entwachsen sind und mittelgroße Hunde als gerade erwachsen gelten. Seniorenfutter kann idealerweise auch Pflanzenzusätze enthalten, die auf typische Altersbeschwerden wie Arthrose ernährungstechnisch einwirken können. Auch hier ist der Barfer etwas im Vorteil, weil er viel gezielter entsprechende Pflanzenzusätze zum Rohfutter geben kann, ohne die dem Fertigfutter bereits zugesetzen Stoffe beachten zu müssen, deren Wirkungsgrad kaum einzuschätzen ist.

Welpen brauchen mehr

Welpenfutter darf energie- und vitalstoffreicher sein als normales Futter, damit der kleine Hund die Wachstumsphase gut bewältigt. Immerhin legen große Rassen in der Hauptwachstumsphase 200 bis 300 Gramm pro Tag zu. Diese rasante Wachstum muss nährstoffmäßig komplett abgedeckt werden, insbesondere in der Versorgung der Skelettmuskulatur und der Knochen.

Wer barft, kann sehr einfach das Rohfutter in der Menge und durch Pflanzenzusätze an die verschiedenen Bedürfnisse von Hunden aller Altersklassen anpassen.

Hunde mit besonderen Ernährungsbedürfnissen

Es gibt Hunde, die aufgrund von Krankheiten spezielle Ernährungsbedürfnisse haben. Hier werden eigene Diät-Fertigfuttermittel angeboten, die teilweise auch der Tierarzt vertreibt. Diese Diät-Futtermittel können ihre Berechtigung haben. Hat zum Beispiel das Tier kranke Nieren, muss möglicherweise proteinarm gefüttert werden. Dies lässt sich mit hochwertigen Fertigfuttern auf Diätbasis besser kontrollieren als bei Rohfütterung.

Viele Hundehalter berichten aber auch davon, dass mit dem Barfen einige typische Beschwerden gerade im Verdauungsbereich positiv beeinflusst wurden oder ganz verschwunden sind.

Grundsätzlich sind viele Hundehalter der Auffassung, dass Barfen dem Hund guttut, ohne dass dies wissenschaftlich bewiesen wäre.

Gesundheitsvorsorge durch richtiges Füttern?

Bei den Hunden zeichnen sich zunehmend typische Krankheiten und deren Vorstufen ab, die auch der zivilisierte Mensch kennt.
Übergewicht, Diabetes, Allergien, Krebs und eine eingeschränkte Vitalität. Auch Hunde kennen Stress, etwa wenn sie über Gebühr auf Hundeausstellungen gefordert werden oder der Hundesport kein Hundespaß mehr ist, sondern hoch ambitioniert Leistung verlangt wird. Oft wird vergessen, dass Hunde ein ausgeprägtes Ruhe- und Schlafbedürfnis haben.

Schließlich ist der Punkt Ernährung weit oben auf der Liste der Faktoren, die die Gesundheit des Hundes beeinflussen. Genau da beginnt auch die große Diskussion.

Durch seine Anpassungsfähigkeit scheint der Hund nicht mehr so intensiv auf eine fast ausschließliche Fleischnahrung angewiesen zu sein wie beispielsweise die Katze. Dies wird jedenfalls von vielen Fachleuten so vertreten und ist auch Grundlage der gesamten Futtermittelindustrie. Diese könnte weder wirtschaftlich noch konzeptionell überleben, wäre der Hund auf frisches Fleisch angewiesen. Vegetarisch oder vegan ernährte Hunde sterben regelmäßig nicht den Hungertod, sondern kommen auf den ersten Blick mit einer solchen Ernährungsform zurecht. Ob es optimal ist, ein Raubtier dauerhaft rein pflanzlich zu ernähren, bleibt aber dahingestellt. Das gilt im Übrigen für alle einseitigen Ernährungskonzepte. Auch wer gekonnt barft, ernährt den Hund nicht ausschließlich von Fleisch und Knochen.

Es verdichten sich Anwendererfahrungen zur der Erkenntnis, dass Barfen der Gesundheit des Hundes dienlich ist. Von Hunden, die überwiegend mit hochwertigem Fleisch gefüttert werden, ist wenig zu hören, wenn es um Übergewicht, Allergien und diffuse Allgemeinerkrankungen geht. Allerdings werden diese Eindrücke stets nur durch Erfahrungsberichte der betroffenen Hundehalter belegt - wissenschaftlich erwiesen ist im Bereich Ernährung für Hunde wenig.

Inmitten der ideologischen "Grabenkämpfe" zwischen Anhängern der verschiedenen Konzepte steht der besorgte und bemühte Hundehalter, der seinem Tier nicht schaden will. Wie oft, wenn erbitterte Streitigkeiten zu einem Thema geführt werden, mag die Lösung in der Mitte liegen. Es erscheint angesichts der Datenlage durchaus möglich, den Hund sowohl mit frischem Fleisch als auch mit hochwertigen Fertigfuttermitteln zu ernähren. Ein wenig Getreide ab und an in den Fertignahrungen dürfte auch dem allergie-empfindlichen Hund nicht schaden. Besteht allerdings jahrelang seine Nahrung nur aus fragwürdig verarbeitetem Weizen, handelt es sich definitiv nicht um eine gesunde Hundeernährung.

Die Abwechslung beim Futter kommt auch den Geschmacksnerven des Hundes zu Gute. Hunde genießen wie Menschen etwas, das ihnen schmeckt. Welch trauriges Hundeleben, wenn ein Hund niemals grünen Pansen kosten dürfte. Jeden Tag muss das aber auch nicht sein.

Von minderwertigen Fertigfuttermitteln sollten Hundehalter Abstand nehmen, auch, wenn diese noch so günstig sind. Zucker gehört nicht in das Hundefutter, ebenso wenig wie fragwürdige Konservierungsstoffe, Aromen und anderen Zusatzstoffe. Obacht sollte der Hundehalter bei den Zutaten geben, wenn Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse zusammengezogen werden. Der Begriff "tierische Nebenerzeugnisse" kann vieles beschreiben, von Innereien bis zu Fellresten. Bäckereierzeugnisse weisen häufig auf minderwertige Kohlenhydrate hin, die das Tier eher mästen als ernähren. Übrigens ist eine Auszeichnung bei Stiftung Warentest oder anderen Testern nicht immer Zeichen eines guten Futters. Getestet wird dabei vielfach auf Komponenten, die mit der Futterqualität nur mittelbar zu tun haben wie etwa das Fehlen von Verunreinigungen im Futter. Der Test setzt sich aber nicht mit den einzelnen Ernährungskonzepten auseinander.

Kein Hund sollte nur mit Trockenfutter ernährt werden, weil viel zu oft der Flüssigkeitshaushalt nicht in der Balance ist. Auch das ist nicht gesund. Es spricht aber nichts dagegen, dem gesunden Hund auch einmal hochwertiges Trockenfutter (am besten getreidefrei und mit viel Protein) anzubieten, vielleicht auch nur als Snack.

Wenn es um Fertigfutter geht, sollte eher eine kleinere als die empfohlene Ration gefüttert werden. Ist ein Hund schon übergewichtig, ist das Barfen erfahrungsgemäß oft die bessere Alternative.

Die permanente Restverfütterung von menschlichen Speisen sollte unterbleiben. Manches ist für den Hund hier unverträglich und auch schädlich. Menschliches Essen ist scharf, salzig und kann auch Bestandteile enthalten, die für Hunde giftig sind. Gekochte Knochen splittern und können den Hund schwer verletzen.
Schließlich ist der Hund nicht in allen Lebensphasen gleich. Sein Futter sollte sich diesem Umstand anpassen. Es kann durchaus gut sein, die Dogge in der etwas fordernden Welpenphase mit einem guten Fertigfutter zu ernähren, das sehr energiereich ist und alle erforderliche Nährstoffe enthält.

Gerade der unerfahrene Hundehalter ist damit oft sehr gut bedient und macht sich das Leben etwas leichter.

Der erwachsene Hund kann immer noch auf eine zum großen Teil roh verfütterte Nahrung umgestellt werden.

Beispiele für Fertigfutter verschiedener Qualität und Zusammensetzung

  • Wolfsblut, getreidefrei, trocken, hoher Fleischanteil
  • Pedigree Adult Hundefutter, feucht, Dose 51 % Fleisch, ohne Zucker, ohne Konservierung
  • Cesar im Pouch, feucht, 45 % Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse

Quellen:

x
Futtercheck