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Augenentzündungen beim Hund

Der Begriff Augenentzündung kann für eine ganze Reihe von verschiedenen Erkrankungen rund um das Hunde-Auge stehen. Diese Erkrankungen gehen auf sehr unterschiedliche Ursachen zurück und sind unterschiedlich schwerwiegend. Aufmerksamkeit sollte eine Augenentzündung beim Hund schon deshalb finden, weil sie auch Begleitsymptom von schweren inneren Erkrankungen sein kann. Oft ist die Augenentzündung, vor allem auch die rezidivierende (wiederkehrende) Bindehautentzündung, ein Anzeichen für ein geschwächtes Immunsystem des Tieres und einen allgemein schlechten Zustand. Hier sollten Tierhalter aufmerksam werden.

Was ist eine Augenentzündung?

Zur Lokalisation von Augenentzündungen sei die Anatomie des Hundeauges kurz skizziert:

Das Auge liegt in der Augenhöhle, die rund um den Augapfel mit entsprechender Muskulatur umgeben ist.
Der Hund hat drei Augenlider, die an den Augapfel angebunden, dem Schutz des Auges dienen. Das untere und obere Augenlid sowie die verknorpelte Nickhaut sind mit einer Schleimhaut überzogen, der sogenannten Bindehaut. Außen wird der Augapfel von der elastischen, durchsichtigen Hornhaut überzogen. Tränenkanäle und Drüsen säumen teilweise die Augenlider. Die innerste Hautschicht des Augapfels bildet die Netzhaut oder Retina.

Anatomie des Hundeauges

Die klassische und häufigste Augenentzündung ist die Bindehautentzündung beim Hund, die sogenannte Konjunktivitis. Weiterhin kann sich auch die Hornhaut des Auges entzünden, man spricht dann von der Keratitis. Außerdem können sich Lidränder entzünden (Blepharitis) und auch in Lidrändern befindliche Drüsen und Kanäle. Sogenannte Hagelkörner und Gerstenkörner bilden hier die bekanntesten Entzündungsvorgänge. Es gibt chronische Vorgänge im Bereich des Tränenapparates, die zu permanentem Tränenfluss führen können (Epiphora). Seltener sind Entzündungsvorgänge im Inneren des Auges, die den Augapfel selbst betreffen.

Ursachen einer Augenentzündung

Bestimmte Rassen leiden sehr häufig an Bindehautentzündungen. Dies kann der Fall sein, wenn zuchttechnisch besonders große „Kulleraugen“ erwünscht sind (Mops, Boxer, Französische Bulldogge) oder die Lidränder behaart gezüchtet werden (Cocker Spaniel) sowie die Lidspalte zu groß oder zu klein ist. Weiterhin leiden junge Tiere oft unter länger anhaltenden Entzündungen des dritten Augenlides - der Nickhaut - die dann mit kleinen Knoten überzogen ist und das Auge permanent reizt. Die Störung wächst sich meist mit wachsendem Lebensalter des Hundes aus, da sich die Nickhaut dann weiter schließt.

Umwelteinflüsse und Krankheitserreger

Als äußere Ursachen von Augenentzündungen kommen allergieauslösende Faktoren wie Pollen und Staub in Betracht. Weiterhin können Viren (zum Beispiel Herpes), Pilzsporen, Bakterien, Luftzug, Verletzungen von außen und Sand Entzündungsvorgänge rund um das Auge hervorrufen. Auch Parasiten können das Auge befallen. Schließlich treten Augenentzündungen im Gefolge von schweren Infektionskrankheiten wie Staupe oder Hepatitis auf. Bei der Staupe können sogar Hornhautblutungen und Hornhautablösungen drohen. Seltene Tumorerkrankungen können im Augeninneren Entzündungsvorgänge auslösen. In seltenen Fällen treten Entzündungen als Folge von Nervenlähmungen auf, die zu hängenden Augenlidern und ähnlichen Erscheinungen führen. Auch das Glaukom kann von Reizungszuständen an den Augen begleitet werden.

Bestimmte Rassen neigen genetisch bedingt zu einer Erhöhung des Augendrucks, dazu zählen etwa die Rassen Cocker Spaniel, Basset und Kleinpudel. Schließlich können bestimmte Stoffwechselerkrankungen wie der Diabetes mellitus Augenentzündungen begünstigen. Fremdkörper im Auge lösen schließlich Entzündungen aus. Selten löst ein starker Vitamin A-Mangel Entzündungsvorgänge an der Hornhaut aus.

Symptome einer Augenentzündung

Je nach Art und Schwere machen sich Augenentzündungen durch verschiedene Symptome bemerkbar. Bindehautentzündungen sind regelmäßig durch Rötungen, Schwellungen, erkennbaren Juckreiz und Ausfluss gekennzeichnet. Der Ausfluss kann klar oder aber eitrig gelblich sein. Es entsteht bei betroffenen Tieren häufig die klassische "Tränenstraße", die durch den ständigen Flüssigkeitsablauf unter dem Auge seitlich deutlich erkennbar ist. Betroffene Tiere versuchen oft, sich mit der Pfote am Auge zu kratzen oder zu reiben. Die Hunde können lichtscheu reagieren und versuchen, sich Berührungen am Auge und im Kopfbereich zu entziehen. Allgemein scheint der Hund angeschlagen zu sein und zieht sich gern zurück.

Im Zusammenhang mit Infektionskrankheiten können Futterverweigerung, Erbrechen, Fieber und Schwächezustände hinzukommen. Bei Entzündungen im Augeninneren kann sich das Sehvermögen verändern, was zu ungeschicktem Verhalten des Tieres führen kann.

Herpesinfektionen zeigen sich durch die typische Bläschenbildung, die im weiteren Verlauf Flüssigkeit abgeben. Symptom für schwerwiegende entzündliche Erkrankungen kann auch der sogenannte Nickhautvorfall sein, dabei fällt das 3. Augenlid dauerhaft gelähmt nach vorn. Im Rahmen schwerer Gesamterkrankungen des Tieres, die mit Abmagerung und Auszehrung einhergehen, begegnet man dem Nickhautvorfall ebenfalls.

Diagnose der Augenentzündung

Bindehautentzündungen und Hornhautentzündungen sind relativ leicht durch eine äußerliche Untersuchung beim Tierarzt zu erkennen. Auch der Laie und Tierhalter erkennt im Regelfall, dass ein Teil des Auges entzündet ist. Prozesse im Inneren der Augen können häufig nur mit entsprechenden speziellen Instrumenten von qualifizierten und auf die Augenheilkunde spezialisierte Veterinäre festgestellt werden.

Behandlung der Augenentzündung beim Hund

Die Augenentzündungen werden je nach Ursache antibiotisch, reizlindernd, antiallergisch, antiparasitär oder virostatisch behandelt. Naturheilkundliche Mittel bekämpfen den Entzündungsprozess selbst oder wirken ebenfalls gegen andere Ursachen an.

Schulmedizinische Behandlung durch den Tierarzt

Der Tierarzt hält eine Anzahl von Tropfen, Salben und Gelen bereit, welche die spezifische Entzündung bekämpfen helfen. Häufig geht man bei der klassischen Konjunktivitis oder Keratitis mit Antibiotika vor, die gegen unspezifische Entzündungsvorgänge eingesetzt werden, weil man von bakterieller Besiedlung ausgeht. Bei Allergien helfen antiallergische Produkte. Handelt es sich um eine Augenentzündung im Gefolge einer Infektionskrankheit wie Staupe wird die Augenentzündung symptomatisch mitbehandelt, grundsätzlich muss aber die zugrundeliegende Grunderkrankung behandelt werden.

Operation - wann wird sie notwendig?

Operative Eingriffe können im Zusammenhang mit Tumorgeschehen notwendig werden. Sie werden regelmäßig von auf Augenheilkunde spezialisierten Tierärzten vorgenommen. Operationen können auch notwendig sein, wenn sich etwa als Komplikation von Entzündungsvorgängen oder angeboren Lidränder einwärts drehen. Diese Phänomen tritt auch bei Augenwimpern auf. Ein akutes Glaukom kann eine Operation ebenfalls erforderlich machen, ebenso wie bestimmte Fremdkörper. Getreidespelze, sogenannte Grannen, dringen oft tief in den Körper ein, wobei auch das Auge nicht immer verschont bleibt.

Symptomatische Homöopathie

Die Homöopathie hält eine ganze Anzahl an symptomatischen Mitteln bereit, die vor allem bei unkomplizierten Bindehautentzündungen sehr gut einsetzbar sind. Für die Selbstbehandlung eignen sich besonders unkomplizierte Formen von Bindehautentzündungen oder Tränenkanalentzündungen, vor allem bei allergischen Prozessen. Noch besser wirkt eine auf das Tier zugeschnittene Konstitutionsbehandlung.

Eines sei jedoch zu beachten: Bei allen mehrere Tage anhaltenden Symptomen sollte vorsorglich der Tierarzt befragt werden.

Im symptomatischen Bereich kommen in Betracht:

1. Entzündungsvorgänge im Bereich der Tränenkanäle sprechen gut auf Silicea D12 an, in den ersten Tagen gibt man dreimal täglich eine Tablette oder 5 Globuli. Später kann man die Dosis reduzieren.

2. Unklare Bindehautentzündungen mit klarem Ausfluss sind gut mit Euphrasia D6 oder C30 zu behandeln. Dabei empfiehlt sich bis zum Eintritt einer Besserung die Akutbehandlung mit bis zur stündlich einer Tablette, beziehungsweise 5 Globuli. Auch Hornhautverletzungen sprechen oft auf Euphrasia an.

3. Bestehen starke Schwellungen am Auge, kommt Apis D4 in der Akutdosierung in Betracht.

4. Bei eitrigen Erscheinungen kommen Pulsatilla D4 und Argentum nitricum C30 in der Akutdosierung in Frage.

5. Belladonna D4 hilft sehr gut bei durch Zugluft verursachten Entzündungen.

6. Arnica D4 wirkt sehr gut bei Prozessen auf der Hornhaut ebenso wie Hepar sulfuris D6 und Mercurius corrosivus D6. Allerdings ist bei Hornhautprozessen dringend der Tierarzt zu konsultieren.

Gute Komplexmittel sind Oculoheel, Traumeel, Mucos comp., Calendula D4 von Weleda.

Für den Kauf von homöopathischen Mitteln empfehlen wir die deutsche Versandapotheke medpex.

Pflanzenheilkunde und andere naturheilkundliche Mittel

Aufgüsse von Salbei, Schafgabe und Eibisch, die man sich in der Apotheke zusammenstellen lassen kann, zeigen gute Erfolge, wenn das Tier sich entsprechende lauwarme Auflagen und Spülungen gefallen lässt. Kamille gehört im Übrigen nicht ins Auge - Hornhautschäden sind durch die Kamille möglich. Augentropfen mit Hyaluronsäure und kolloidalem Silber wirken entzündungshemmend und vorbeugend.

Die unbehandelte Augenentzündung und ihre Folgen

Unbehandelte Augenentzündungen können im Ernstfall bis zur Erblindung führen.
Auf der Hornhaut können durch Verletzungen und Entzündungsvorgänge bleibende Narben entstehen, die das Sehvermögen ebenfalls einschränken können. Auch sind Hornhautrisse und weitere Folgen nicht auszuschließen. Augenentzündungen sind schmerzhaft und belasten das betroffene Tier stark. Verbirgt sich hinter der Augenentzündung eine Infektionskrankheit, ist diese im Regelfall schwer. Sie erfordert unverzügliche Behandlung.

Vorbeugung einer Augenentzündung

Bekannte Allergieauslöser und andere äußere Umstände wie Zugluft können vermieden werden. Bei genetisch vorbelasteten Rassen sollte die Augenumgebung mit geeigneten Pflegetüchern regelmäßig gereinigt werden und den Augen besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Da wiederkehrende Augenentzündungen häufig mit einem geschwächten Immunsystem einhergehen, sollten betroffene Tiere auch in dieser Hinsicht besonders gepflegt werden. Dazu gehört eine qualitativ hochwertige Ernährung ebenso wie eine artgemäße Haltung. Auch homöopathische Konstitutionsbehandlungen wirken an dieser Stelle oft erstaunlich gut.

Quellen

Autorenbox Thomas

Über Thomas

Etwa 8 Mio. Hunde leben in deutschen Haushalten - gesorgt wird sich um die Vierbeiner wie um das eigene Kind. Mit dieser Seite möchte ich euch gern leicht verständliche Informationen rund um die Hundegesundheit zur Verfügung stellen. Zur Seite steht mir eine Tierheilpraktikerin, die das ganze fachlich abrundet.