Hüftdysplasie beim Hund

Die Hüftdysplasie oder HD wurde erstmalig mit dem Deutschen Schäferhund in Verbindung gebracht und hat sich in der Folge zu einem wahren "Schreckensgespenst" der Rassezüchter - vor allem bei großen, schweren Hunderassen - entwickelt. Die genetisch bedingte Fehlentwicklung des Hüftgelenks führt in der Folge zu schmerzhaften Bewegungseinschränkungen aufgrund von Umbauprozessen in den betroffenen Bereichen des Bewegungsapparates. Nicht selten muss in schweren Fällen eingeschläfert werden. Die Problematik ist in den letzten Jahren durch Ausschlussbemühungen der Züchter etwas zurückgedrängt worden, dennoch ist HD auch heute noch vertreten.

Was ist eine Hüftdysplasie?

Man spricht häufig einfach von der Hüftdysplasie und HD. Medizinisch ist der Ausdruck Hüftgelenksdysplasie korrekt. Diese Entwicklungsanomalie betrifft den Übergang von der Hüftgelenkspfanne zum Oberschenkelknochen. Überwiegend genetisch bedingt wird dabei die Hüftgelenkspfanne zu flach ausgebildet und bietet dem Oberschenkelknochen keinen ausreichenden Halt. Betroffen sind erblich vor allem Schäferhunde, Rottweiler, Boxer und andere große Rassen. Eine HD kann auch erworben werden. Verantwortlich sind dann Überlastungsprozesse bei schlecht oder nicht behandelten Frakturen und Rissbildungen im Knochengewebe. Auch bei Ausrenkungen (Luxationen) kann es zur HD-Bildung kommen. Manifest wird HD meist erst beim erwachsenen Tier, beziehungsweise während des Wachstumsprozesses.
Nicht untypisch ist der besonders beim Schäferhund zu beobachtende, steil abfallende Rücken an der Rutenwurzel.

Hüftdysplasie beim Hund

Ursachen

Ganz überwiegend ist die Fehlbildung erblich bedingt. Wenn jedoch große schwere Lagerhundrassen als Welpen massiv überlastet werden, beispielsweise in einem Alter unter einem Jahr stringent am Fahrrad laufen müssen oder zu viel springen sowie Treppen benutzen, kann die HD als Folge der Überlastung ausgebildet werden. Die Knochen und die Wirbelsäule sind beim Welpen bis zu einem Jahr noch weich und empfindlich. Hundehalter sollten daher besonders bei energiereichen Hundetypen darauf achten, dass das Tier sich selbst nicht überlastet. Auch Hundesport sollte allmählich, dem Alter angemessen entwickelt werden. Selbst ausgewachsen sind manche Hundetypen für bestimmte Bewegungen nicht gut geeignet. Die schweren Molosser sollten niemals zwangsweise an der Leine neben dem Fahrrad geführt werden, sondern immer ihr eigenes Lauf-Tempo bestimmen dürfen. Das gilt ebenso für Lagerhunde. Zügige, lange Spaziergänge sowie Schwimmen sind den massigen Hunden zuträglicher und bekommen ihrer Gesundheit im Regelfall besser als übertrieben sportliche Aktivitäten mit ständigen Sprints und Stopps, für die sie und ihr Bewegungsapparat nicht gemacht sind.

Symptome der Hüftdysplasie beim Hund

Hüftdysplasie führt zu verschiedenen Degenerationsprozessen in den betroffenen Knochen- und Knorpelgeweben. In der Folge wird die Motorik des Hundes negativ beeinflusst:
Lahmheiten, Anlauf- und Aufstehschwierigkeiten, steifer Gang und knirschende Geräusche prägen die Arbeit des Hüftgelenks. Das Tier hat Schmerzen. Das Gelenk renkt sich häufig aus, der Hund verfällt in Schonhaltungen und überlastet angrenzende Bereiche in der Folge. Bänder werden überdehnt. Die Funktion des betroffenen Gelenks wird in jedem Fall eingeschränkt. Im schlimmsten Fall kann das Tier sich am Ende nicht mehr erheben.

Diagnose

Eine umfassende Röntgendiagnostik ist bei der Hüftdysplasie unverzichtbar. So kann nicht nur das Vorliegen einer solchen erkannt werden, sondern auch das Voranschreiten der weiteren degenerativen Prozesse.

Behandlung der HD beim Hund

Die HD ist nicht heilbar, die Symptome können sehr gut gelindert werden. Viele Hunde können mit Hüftdysplasie ein langes und schönes Hundeleben führen, wenn die Halter ein Bewusstsein für die Erkrankung entwickeln. Wichtig ist ein frühzeitiges Erkennen von HD. Betroffene Tiere sollten nicht mit Bewegungen überlastet werden, die genau das Hüftgelenk betreffen. Wichtig ist auch, dass HD-Hunde möglichst normal- bis leicht untergewichtig bleiben, um entsprechend dem Gelenkverschließ keinen weiteren Vorschub zu leisten. Eine passende Ernährung - gern auch Rohfütterung - führt vor allem über Knorpel entsprechende, knochenstärkende Nährstoffe zu. Die Harnsäurebildung sollte mit der Ernährung vermindert werden, um eine zusätzliche ernährungsbedingte Gelenkbelastung in Richtung Gicht zu unterbinden.

Operation

In vielen Fällen kann der Einsatz eines künstlichen Hüftgelenks eine entscheidende Wende zum Besseren einleiten.

In eine ähnliche Richtung gehen Laserflächenbehandlungen, die degenerative Prozesse unter Kontrolle halten.

Konservative Therapie

Im Mittelpunkt einer konservativen Therapie steht die Schmerzbehandlung.
Dabei ist auf die Magenschädlichkeit klassischer Magenschmerzmittel zu achten, so dass es heute dem schulmedizinischen Standard entspricht, bei längerer Gabe von NSAR (nichtsteroidalen Antirheumatika - Schmerzmittel ohne Kortison) auch gleichzeitig ein Magenschutzmittel (Protonenpumpen-Hemmer) zu verabreichen.
Viele Hunde reagieren positiv auf physiotherapeutische Behandlungen wie Wärme in Form von Wickeln und Auflagen sowie Massagen. (Therapie-) Schwimmen kann helfen.

Naturheilkundliche Therapie

Weihrauch und Teufelskralle in Extraktform können natürlich auf schmerzhafte, entzündliche Erscheinungen positiv einwirken. Homöopathisch sind neben einer individuellen Konstitutionsbehandlung vor allem die Komplexmittel Zeel und Traumeel hilfreich, um ergänzend gegen Schmerzsymptome vorzugehen. Der Einsatz von Gold im Gelenk hat in den letzten Jahren ebenfalls viele Anhänger gefunden und prägt einige Erfolgsgeschichten. Man sollte sich aus verschiedenen Quellen über solche Behandlungsmöglichkeiten informieren lassen.

Vorbeugung

HD selbst lässt sich - wenn sie genetisch bedingt ist - nicht vorbeugen.
Eine Überlastung im Welpenalter kann man - wie oben geschildert - durch Achtsamkeit sehr wohl verhindern.
Wer schließlich einen Hund mit HD hat, muss sehr umsichtig mit dem Tier umgehen. Zum einen soll der Hund ein Hund bleiben dürfen, also im Rahmen seiner Lebensfreude auch seinem Bewegungsdrang Ausdruck verleihen dürfen. Andererseits ist eine gewisse Schonung nötig, gerade was Springen und Treppensteigen angeht. Der Hund sollte es stets warm haben, und auch seine Unterlagen, Kissen und Decken sollten mit Bedacht HD-freundlich ausgewählt werden. Das heißt, so eine Unterlage sollte es dem Hund erleichtern, auf seine Beine zu kommen, also möglicherweise etwas erhöht sein. Wenn er liegt, sollte die Unterlage druckentlastend wirken.

Auch HD-Hunde können lange Leben

HD ist kein Todesurteil, sondern ein fortschreitender, degenerativer Prozess.
Engagierte Hundehalter können dem Tier mit viel Liebe ein langes Leben bei guter Lebensqualität ermöglichen. Allerdings sind mehr materielle Aufwendungen und mehr Aufmerksamkeit erforderlich als beim gesunden Hund. Auch ist mehr Geduld vonnöten. Dies betrifft aber Hundesenioren auch ohne HD, denn Steifigkeiten prägen das Hundealter ebenso wie das Menschenalter. Man kann sich den HD-Hund also als einen vorzeitig alten Hund vorstellen, der besonders umsichtig gehalten werden möchte.

Quellen

Autorinbild
Autor: Thomas

Etwa 8 Mio. Hunde leben in deutschen Haushalten - gesorgt wird sich um die Vierbeiner wie um das eigene Kind. Mit dieser Seite möchte ich euch gern leicht verständliche Informationen rund um die Hundegesundheit zur Verfügung stellen. Zur Seite steht mir eine Tierheilpraktikerin, die das ganze fachlich abrundet.

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