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Magenschleimhautentzündung beim Hund

Die Gastritis - Magenschleimhautentzündung - ist bei Hunden eine relativ häufige Erkrankung. Dabei sind die Ursachen wie auch die verschiedenen Ausprägungen sehr vielfältig. Die Diagnose Gastritis ist nicht immer einfach zu stellen, da die Symptome unspezifisch sein können und die Magenschleimhautentzündung selbst einen Symptomcharakter annehmen kann. Dies ist etwa der Fall, wenn sie ein Magengeschwür anzeigt. Auch tritt eine Gastritis nicht selten unter Beteiligung des Darmbereiches auf. Man spricht dann von einer Gastro-Enteritis.

Was ist eine Gastritis?

Die Magenschleimhaut bildet die Innenauskleidung des Magens. Der Magen schützt sich unter anderem vor der aggressiven Magensäure und vor Selbstverdauung durch eine intensive Schleimschicht. Andere Schutzmechanismen spielen ebenfalls eine Rolle. Normalerweise ist die Magenschleimhaut recht unempfindlich und regeneriert sich selbst auch sehr schnell. Sind die reizenden Faktoren sehr intensiv und/oder die Schutzbarrieren im Magen geschwächt, kann es zu Erosionen in der Magenschleimhaut kommen. Magensäure kann dann in die tieferen Schichten des Magengewebes vordringen und löst dort Irritationen sowie Schmerzen aus. Es können Blutungen auftreten. Entzündungen können sich bis zu einem Magengeschwür fort entwickeln. Dabei handelt es sich um starke Erosionen in das Gewebe hinein. Im schlimmsten Fall brechen Magengeschwüre nach außen auf, und es gelangt Mageninhalt bis in die Bauchhöhle vor. In diesem Fall haben wir es mit einem veterinärmedizinischen Notfall zu tun, der unverzüglich ärztlich behandelt werden muss.

Gastritiden können akut oder chronisch verlaufen. Während es in der akuten Form regelmäßig nur zu oberflächlichen, kurzfristigen Defekten an der Magenschleimhaut kommt, können im Kontext der chronischen Magenschleimhautentzündung intensivere, andauernde und weitläufigere Entzündungserscheinungen auftreten. Diese erfassen häufig nicht nur die gesamte Magenschleimhaut, sondern dringen auch in nahegelegene Darmabschnitte vor. Auch beim Hund ist das sogenannten Irritable- Bowl- Disease - Syndrome (IBD) bekannt. Prägend für diese Erkrankung unklarer Ursache sind rezidivierende Entzündungsvorgänge im Magen-Darm-Bereich.

Welche Hunde sind häufig betroffen?

Die Magenschleimhautentzündung kann Hunde aller Altersklassen, Rassen und Größen treffen. Der junge Hund, der häufig alles auf der Straße oder im Wald aufnimmt, was er finden kann, ist sehr gefährdet. Da nicht alle Hunde spezifische und hefige Symptome zeigen, geht man bei der Gastritis von einer hohen Dunkelziffer unerkannter Krankheitsfälle aus: Zwischen 20% und 40% der Hunde in Deutschland sollen unentdeckt an Gastritiden und Gastro-Enteritiden leiden.

Genetische Veranlagungen bei bestimmten Gastritiden sind bisher nicht deutlich nachweisbar. Von Neunfundländern ist bekannt, dass sie häufig gesundheitliche Probleme mit dem Magen haben.

Symptome einer Magenschleimhautentzündung

Das Leitsymptom einer voll entwickelten Gastritis ist Erbrechen. Dabei geht es besonders um das morgendliche Nüchtern-Erbrechen, bei dem weißer Schaum erbrochen wird. Hierin ist das typische Anzeichen für zu viel Magensäure zu sehen.

Daneben können vorliegen:

  • Futterverweigerung oder diffuse Anzeichen von Unbehagen nach der Futteraufnahme
  • Ständiges Fressen von Gras
  • Verstärktes Verlangen nach Trinken
  • Angespannte, verhärtete Muskulatur in der Magen-Darm-Gegend
  • Teilweise Druck- und Schmerzempfindlichkeit im Magenbereich
  • Apathie und Gewichtsverlust
  • Dauerlecken an Gegenständen und am Hundekörper

Wird Blut erbrochen, ist an ein Magengeschwür zu denken. Auch Blut im Stuhl (Teerstuhl) kann auf Blutungen im Magen-Darm-Bereich hindeuten. Blutarmut deutet oft auf einen Blutungsherd im Hundeorganismus hin.

Ursachen der Gastritis

Es ist nicht immer möglich, die Ursachen einer Magenschleimhautentzündung festzustellen. Relativ sicher diagnostizierbar ist eine Fremdkörperaufnahme.

Weitere Ursachen können sein:

  • Aufnahme von unverdaulichem, verdorbenem Futter
  • Bakteriell verseuchtes Wasser
  • Futtermittelunverträglichkeiten und Allergien
  • Schnee fressen

Nicht zu unterschätzen sind typische Nebenwirkungen von Schmerzmitteln. Besonders die Arzneimittelfamilie der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) ist bekannt dafür, den Magen zu schädigen. Es entspricht deshalb dem tierärztlichen Standard, bei einer unvermeidlichen Gabe von Schmerzmitteln gleichzeitig Magenschutzmittel zu geben.

Stress ist ein weiterer Hauptfaktor, der zu Gastritiden führen kann. Arbeitshunde und Hunde, denen im Hundesport oder im Zuchtverband viel abverlangt wird, sind gefährdet. Auch Veränderungen im Lebensumfeld des Hundes wie der Verlust einer Bezugsperson können die Entwicklung einer Magenschleimhautentzündung begünstigen. Die individuelle Konstitution der Hundepersönlichkeit spielt hier eine große Rolle.

Eine Infektion mit dem Keim Helicobacter Pylori führt häufig zu ausgeprägten Gastritiden bis hin zu Magengeschwüren.

Diagnostik der Gastritis

Vielfach kann durch die Schilderung der Symptome sowie eine Tastuntersuchung durch den Veterinär eine Gastritis erkannt werden. Unter Umständen werden zusätzlich der Kot und das Blut analysiert. Es kommen auch Kontraströntgenaufnahmen oder eine Endoskopie in Frage. Deutet alles auf Futterunverträglichkeiten hin, bietet sich eine Diät an, die nacheinander bestimmte Stoffe ausschließt.

Behandlung einer Magenschleimhautentzündung/Gastro-Enteritis

Die Behandlung einer Gastritis ist von der Ursache abhängig.
Schulmedizinisch reichen die Therapieansätze von Arzneimittelgaben bis zu Operationen bei Magengeschwüren oder Fremdkörperaufnahme. Bei der typischen Gastritis geht es dem Veterinär regelmäßig darum, die Magensäure zu vermindern. Dies gelingt etwa durch die Gabe von Omeprazol und artverwandten Wirkstoffen. Dabei handelt es sich um sogenannte Protonenpumpenhemmer. Auch Antibiotikagaben sind möglich.

Ernährung und alternative Behandlungsformen

Kritisch an der Verringerung der Magensäure durch Arzneimittel ist zu sehen, dass diese zwar das Entzündungsgeschehen im Magenbereich schnell und gut verringern, die Ursache einer Gastritis damit aber nicht behandeln. Zudem können die entsprechenden Arzneimittel auf Dauer gesehen ebenfalls Nebenwirkungen entfalten, denn eine verringerte Magensäure führt unter Umständen zu anderen Symptomen und Beschwerden. Besonders wenn die Gastritis stress- oder ernährungsbedingt ist, sollte man sich nicht mit der Unterdrückung der Magensäure zufriedengeben. Ein Arzneimittel schafft dann eine erste Entlastung, die aber weiter ausgebaut werden muss. Auch muss daran gedacht werden, dass zu wenig Magensäure zu weiteren Magenbeschwerden führt. Dieser Punkt wird häufig auch von Tierärzten nicht beachtet. Die Magensäure ist ein wichtiger Teil der Verdauung, ihre Manipulation ist nicht folgenlos, wenn sie dauerhaft erfolgt.

Antibiotikagaben sind ebenfalls nicht unproblematisch, da sie die Lage nachhaltig verschlimmern können. Auch die positiven Keime in Magen und Darm fallen ihnen zum Opfer. Das Tier wird allgemein geschwächt.

Stress

Wenn es um Stress geht, bedarf es einfühlsamer Begleitung und Beobachtung durch den Hundehalter, um mögliche Stressfaktoren abzustellen. Sensible, stressbare Hundetypen brauchen verlässliche Routinen und feste Ruhezeiten. Viele Hundehalter unterschätzen allein, wieviel Schlaf ein Hund benötigt. 14-18 Stunden Schlaf einschließlich der typischen leichten Hundeschlafphasen sind durchaus wichtig. Auch Hunde können zu wenig Schlaf bekommen. Es muss nicht der Hundesportverein sein, wenn das Tier mit normalen Spaziergängen, Schwimmen im See und Radfahren mit dem Halter besser zurechtkommt.

Ernährung

Auch bei der Ernährung sind Geduld und Erfahrung gefragt.
Magenempfindliche Hunde sind mit mehreren kleine Portionen und mit Näpfen, die kein Schlingen zulassen, meist gut bedient. Viele Hunde sprechen nach einer behutsamen Umstellung auf Rohfütterung gut an. Die Gabe von Heilerde, medizinischer Kohle und verdünntem, lauwarmen Kamillentee kann bei leichten Formen einer akuten Gastritis bereits vieles lindern. Futtermittelunverträglichkeiten und -allergien sollten aufgeklärt und beachtet werden.

Homöopathie

Hunde, die zu Gastritiden neigen, sprechen vielfach sehr gut auf eine homöopathische Konstitutionsbehandlung an. Dabei wird ein erfahrener Behandler das für den Hund in seinem jetzigen Zustand passende Mittel finden.

Auch eine Reihe von Symptommitteln bieten sich an:

Die Mittel können in Potenzen von D30 oder C30 ausprobiert werden. Auch hier empfiehlt sich die Rücksprache mit dem erfahrenen Homöopathen, da die Mittel unterschiedliche Schwerpunkte haben.

Nux Vomica ist das klassische Mittel bei Erbrechen.

Bakterielle Fehlbesiedlungen

Die Gabe von Pro- und Präbiotika kann sich ebenfalls positiv auf Magenbeschwerden auswirken. Dabei handelt es um für den Hund positive Bakterienstämme und deren Ernährung. Nach Antibiotikagabe sind sie unverzichtbar.

Gastritis muss behandelt werden

Auch wenn die Erkrankung weit verbreitet ist, mindert eine Gastritis die Lebensqualität des Hundes sehr. Auch können weitere Komplikationen entstehen, der Durchbruch eine Magengeschwürs gefährdet das Leben des Tieres. Besonders chronische Formen der Gastritis sollten sorgfältig beobachtet und behandelt werden.

Quellen

Autorenbox Thomas

Über Thomas

Etwa 8 Mio. Hunde leben in deutschen Haushalten - gesorgt wird sich um die Vierbeiner wie um das eigene Kind. Mit dieser Seite möchte ich euch gern leicht verständliche Informationen rund um die Hundegesundheit zur Verfügung stellen. Zur Seite steht mir eine Tierheilpraktikerin, die das ganze fachlich abrundet.